PARODONTOLOGIE

Die Parodontitis, in der Umgangssprache oft fälschlich Parodontose genannt, ist eine von Bakterien verursachte Entzündung des Zahnhalteapparates die zur Zerstörung des Knochenlagers und des umgebenden Gewebes führt.

Sie wird vor allem durch eine mangelhafte Mundhygiene verursacht. Dadurch kommt es zu Ablagerungen von Mikroorganismen auf der Zahnwurzel, die selbst mit intensivster häuslicher Mundpflege nicht mehr zu entfernen sind. An den Belägen in den Zahnfleischtaschen sitzen Bakterien, deren toxische Ausscheidungsprodukte den Knochen dazu bewegen sich zurückzuziehen.

Auf dem obigen Röntgenbild ist sehr deutlich der starke horizontale Knochenabbau im Seitenzahngebiet auch für den Laien zu erkennen. Bedingt durch die hochgradige Entzündung des Zahnhalteapparates und den starken Knochenverlust sind die Seitenzähne in diesem Fall nicht mehr zu erhalten.

Veränderungen in der Zusammensetzung der Bakterien verstärken die Entzündung. Durch ein Übergreifen auf den Kieferknochen baut sich nach und nach das Stützgewebe ab. Dadurch fangen die Zähne irgendwann an sich zu lockern und im schlimmsten Fall führt dies zu Zahnverlust. Dies läßt sich rechtzeitig verhindern!

 

Der Ausgangsbefund - Die häufig traurige Realität!

Die Abbildungen zeigen Ihnen völlig insuffizient gepflegte und vernachlässigte Gebisse mit stark kariös zerstörten Zähnen, einer generalisierten schweren Entzündung des Zahnfleisches (Gingiva) und des Zahnhalteapparates (Parodontium) mit schon stark freiliegenden Zahnhälsen und massivster Zahnstein-, und Konkrementbildung im Ober-, und Unterkiefer. Es bestehen neben einem massiven, fauligen Mundgeruch auch permanente, starke Schmerzen und Zahnfleischblutungen. Die Behandlung kann hier nur durch ein Gesamtsanierungskonzept erfolgen, welches alle Bereiche der modernen Zahnheilkunde umfaßt. Patienten, die dieses Gesamtsanierungskonzept nicht voll mittragen kann nicht geholfen werden. Sie werden Ihre Zähne verlieren! Eine weitere Schwierigkeit ist die nur noch sehr eingeschränkte Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Das "Wirtschaftlichkeitsgebot" bestimmt zum gegenwärtigen Zeitpunkt alle Behandlungen. Mitunter ist daher eine optimale Versorgung und Rehabilitation Ihrer bestehenden Zahnschäden und Ihrer oralen Gesundheit nur noch sehr eingeschränkt möglich. Doch es gibt Lösungen. Wir informieren Sie gerne über den aktuellen Stand der gesetzlichen Vorgaben und Bestimmungen, sowie über die Möglichkeiten zur Erlangung Ihrer vollen Mundgesundheit. Doch bedenken Sie: In jedem Fall haben Sie mit Mehrleistungskosten zu rechnen, deren Höhe sich nach Ihren individuellen Zahnschäden und vor allem nach Ihren ganz persönlichen Wünschen bei der Rehabilitation richtet. Diese gesamten Kosten haben Sie im allgemeinen vollumfänglich selbst zu tragen, sofern Sie nicht über eine Zusatzversicherung verfügen die Ihnen diese entstehenden Kosten, zumindest in Teilen, übernimmt.

 

Man unterscheidet drei Arten der Parodontitis:

  1. Die erworbene Parodontitis
  2. Die ererbte Parodontitis
  3. Die Mischform

Die Grenzen zwischen den ersten beiden Arten sind fließend, sodaß die Mischform am häufigsten anzutreffen ist.

zu A.)   Die häufigsten Ursachen für eine erworbene Parodontitis sind:
  1. schlechte Mundhygiene über einen längeren Zeitraum
  2. falsche Ernährung
  3. Rauchen
  4. zu seltene Zahnarztbesuche
  5. schlechter Zahnarzt

Diese Art der erworbenen Parodontitis ist sehr einfach zu bekämpfen. Man braucht nur die fünf Ursachen zu beseitigen und schon ist man sie los, nämlich:
Verbesserung der Mundhygiene, Umstellung der Ernährung, Einstellen des Rauchens, häufigere Zahnarztbesuche, eventueller Behandlerwechsel.

zu B.)   Die Ursache für eine ererbte Parodontitis ist eine angeborene Abwehrschwäche gegen die Ausscheidungsprodukte der Parodontitiserreger. 
Eine sogenannte Immunschwäche!

Gegen diese Art der angeborenen Parodontitis waren die Zahnärzte bisher machtlos, da sie diese durch gezielte Behandlungsmethoden nur in begrenztem Umfang stoppen konnten. Das Interleukin spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Durch einen seit kurzem auf dem Markt befindlichen Gentest ist heute schon diese schwerste Form der Parodontitis exakt nachweisbar, sodaß gezielte Behandlungsmaßnahmen ergriffen werden können, um die Krankheit aufzuhalten. Bis dahin aufgetretene Knochenschäden können in geringem Umfang repariert werden. Eine Impfung gegen diese Art der Parodontitis wird aber erst in etwa 10-15 Jahren auf dem Markt sein. Bis dahin wird von dem Patienten viel Eigenverantwortung abverlangt.

zu C.)   Als Faustregel läßt sich für die Mischform der Parodontitis folgendes Erscheinungsbild aufstellen:

50 % ererbte Ursache
30 % bewirkt Rauchen
20 % bewirkt die Mundhygiene

Welche Form der Parodontitis vorliegt, läßt sich durch eine gezielte bakteriologische Untersuchung feststellen (Molekularbiologischer Test). Danach sind entsprechende Behandlungsmaßnahmen durch einen versierten Zahnarzt oder Parodontologen einzuleiten. Denn nur durch verstärkte Mundhygienemaßnahmen alleine kann diese Art der aggressiven Parodontitis nicht aufgehalten werden und wenn man noch soviel putzt und Mundspüllösungen verwendet!

Konkremente

Das linke Röntgenbild zeigt Konkremente, also harte Zahnbeläge die auf der Wurzeloberfläche anhaften und die man selbst nicht entfernen kann. Der Knochenschwund ist auf der Röntgenaufnahme schon sehr stark ausgeprägt und auch für den Laien gut erkennbar. Die extrahierten Zähne auf dem rechten Bild zeigen solche massiven, harten Beläge noch deutlicher. Besser und eindrucksvoller lassen sich die Auswirkungen einer seit vielen Monaten wirkenden mangelhaften und stark vernachlässigten Mundhygiene nicht darstellen! Nur mittels einer Parodontalbehandlung und Optimierung der persönlichen Mundhygiene lassen sich weitere massive Schäden an den eigenen Zähnen vermeiden.

 
Fallbeispiele

Hier sehen Sie ein weiteres extremes Beispiel sehr mangelhafter Mundhygiene mit einer generalisierten Entzündung der Schleimhaut und des Zahnhalteapparates. Die Zahnhälse liegen schon sehr weit frei und die Eigenbeweglichkeit der Zähne hat stark zugenommen.
 

Extreme Zahnbeläge mit starker
Zahnsteinauflagerung und einer generalisierten Entzündung des Zahnfleisches.
 

Hier sieht man sehr gut die harten Konkremente auf den freiliegenden Wurzeloberflächen die bereits zu einem massiven Knochenverlust geführt haben.

Erschwerend kommt hinzu, daß die Parodontitis zunächst nicht schmerzhaft ist und somit das Zahnfleischbluten von vielen Menschen auf die leichte Schulter genommen wird. Wenn es anfängt weh zu tun, die Zähne schon wackeln und sich Eiter aus den Zahnfleischtaschen entleert, ist es meistens um die Zähne geschehen!

Hier sehen Sie ein weiteres Beispiel eines völlig vernachlässigten Gebisses mit stark kariös zerstörten Zähnen, massiven Entzündungen und einer extremen Plaqueauflagerung. Viele Zähne sind nicht mehr erhaltungswürdig - Zahnersatz steht an!
 

Die obige Aufnahme zeigt das Bild einer klassischen "Schmutzgingivitis". Der Zahnfleischsaum ist schmerzhaft girlandenförmig entzündet. Der Patient klagte nur über gelegentliches Zahnfleischbluten.

Deshalb muß eine Behandlung in jedem Fall durchgeführt werden, da sonst die Toxine über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt werden und so auch zu Arteriosklerose, Herzerkrankungen, Gelenk-, und Nierenentzündungen beitragen können, wie neueste Forschungsergebnisse zeigen. Dies geschieht nach einer molekularbiologischen Untersuchung, durch gezielte Antibiotikatherapie. Erst danach erfolgt nach einer umfassenden Mundhygieneunterweisung und Anleitung die eigentliche Parodontalbehandlung.

MERKE:

Je früher die richtige Parodontitisart erkannt wird und je besser die Mundhygiene ist, desto größer die Chance auf einen langen Erhalt der eigenen Zähne!
 

Die Behandlung der Parodontitis sieht in unserer Praxis folgendermaßen aus:

Es ist nur eine leichte örtliche Betäubung notwendig um eine völlig schmerzfreie Behandlung zu ermöglichen. Dabei werden spezielle, sehr grazile Instrumente in die Zahnfleischtasche eingeführt und die Zahnwurzeln von allen Auflagerungen gründlich gereinigt. Ferner kommt ein spezielles Reinigungsverfahren mittels Ultraschall zum Einsatz. Bei der Reinigung der Zahnwurzeln mittels Ultraschall werden die Zahnfleisch- und Knochentaschen äußerst effektiv gereinigt und gleichzeitig mit hochwirksamen keimreduzierenden Substanzen gespült und von den oben genannten Belägen, Bakterien und dem entzündlichen Gewebe befreit.
 

Die linke Abbildung zeigt die Anwendung der Ultraschalltechnik und auf der rechten Abbildung sehen Sie die Reinigung der Wurzeloberflächen mit grazilen Handinstrumenten.
 

Durch die Anwendung dieser für den Patienten minimalinvasiven Methode ist es weder notwendig Zahnfleisch wegzuschneiden noch den Knochen wegzufräsen, wie dies leider immer noch vielfach geschieht. Daher haben auch viele Patienten immer noch Angst vor einer solchen "Zahnfleischbehandlung". Wie Sie sehen ist diese Sorge unbegründet! Neueste Untersuchungsergebnisse zeigen, daß die Effektivität dieser modernen Methode der Althergebrachten in nichts nachsteht, für den Patienten aber viel schonender ist. Ein Wundverband des Zahnfleisches wie er nach früheren Techniken meist unumgänglich war, ist heute nicht mehr nötig. Nachdem die örtliche Betäubung nachgelassen, hat verspüren die Patienten in der Regel nur ein prickelndes Gefühl für kurze Zeit. Dann sind keine weiteren Mißempfindungen zu erwarten.
 

Die Welche Therapien gibt es noch?

Die Abbildung zeigt einen solchen Antibiotikafaden der in der Zahnfleischtasche versenkt wird.

Wenn nach dieser effektiven Reinigungsmethode wieder Infektionen in den behandelten Zahnfleischtaschen auftreten sollten, dann lassen sich mit Antibiotika die körpereigene Abwehr unterstützen. Diese können als Tabletten, oder noch gezielter, direkt in der Zahnfleischtasche als Tetracyclin®-Faden oder Gel eingesetzt werden. 

Blutendes oder zurückgehendes Zahnfleisch oder wackelnde Zähne deuten auf eine Zahnfleischentzündung hin. Ursache sind Zahnbeläge, die Bakterien enthalten (Plaque). Entweder handelt es sich nur um eine eher harmlose oberflächliche Entzündung des Zahnfleisches (Gingivitis), die  in der Regel nach einer Optimierung der Mundhygiene vollständig reversibel ist, oder die wesentlich gefährlichere Parodontitis marginalis.

Tückisch ist der fortschreitende Knochenabbau der unbehandelt zum Zahnausfall führt. Die rechte Grafik zeigt den entzündungsbedingten Rückgang des Knochens und des Zahnfleisches.

Mit heute gängigen parodontalchirurgischen Verfahren, der sogenannten "gesteuerten Geweberegeneration (=GTR)" läßt sich auch bereits verlorengegangener Knochen bis zu einem bestimmten Grad wieder neu aufbauen. Näheres zu diesem Verfahren finden Sie auf unserer Chirurgie-Seite.
 

Die Abbildung zeigt die Taschentiefemessung mit einer
speziellen Parodontalsonde.

Eine Messung der Zahnfleischtaschen bringt hier Aufschluß (Abbildung links).

Dabei handelt sich um Zahnfleischtaschen, die unbehandelt im Laufe der Jahre tiefer werden und eine Lockerung der Zähne bis zu deren Verlust bewirken.

Durch den Entzündungsprozeß schwillt das Zahnfleisch zunächst an und löst sich bei fortdauernder Entzündung vom Zahn ab, es entsteht eine Zahnfleischtasche. In der Zahnfleischtasche können die bakteriellen Beläge von der Zahnbürste nicht mehr erreicht werden. Sie vermehren sich und ändern auch ihre Zusammensetzung, d.h. es treten andere, aggressivere Bakterienarten auf. Diese verstärken die Entzündung, die Zahnfleischtasche wird noch tiefer, die Beläge sind noch schwerer zu entfernen. Dieser "Teufelskreis" kann nur durchbrochen werden, indem die Beläge in den tiefen Taschen vom Zahnarzt entfernt und die Zahnoberflächen gründlich gereinigt werden sowie die Neubildung durch intensive und verbesserte Mundhygiene verhindert wird.

Ergibt die Sondierung Werte größer als 2 mm liegt eine ernstzunehmende Erkrankung des Zahnbettes vor. Die Behandlungsverfahren werden weitgehend durch das Stadium der Erkrankung bestimmt. Taschen bis zu 4 mm Tiefe lassen sich relativ einfach behandeln. Darüber hinaus werden die Behandlungsverfahren wesentlich aufwendiger und komplizierter, insbesondere wenn der Parodontitisbehandlung eine Versorgung mit Zahnersatz folgen soll. Die Versorgung weit fortgeschrittener Zahnbetterkrankungen erfordert deshalb spezielle Kenntnisse und klinische Erfahrung des behandelnden Zahnarztes.


Was kann man selber tun?

Nur durch eine konsequente Analyse und ein individuell auf den Einzelfall abgestimmtes Behandlungs- und Betreuungsprogramm kann eine Parodontitis zum Stillstand gebracht werden und der Abbau des Stützgewebes gestoppt werden.

Das Bild zeigt Plaqueauflagerungen auf der Zahnoberfläche

Bei gesundem Zahnbett gilt: Neben dem kurzen Putzen nach jeder Mahlzeit ist täglich eine gründliche und vollständige Reinigung der Zähne sowie aller Zahnzwischenräume unumgänglich, um die Bildung bakterieller Zahnbeläge zu vermeiden. Denn ein sauberer Zahn wird nicht krank! Bei (vor-)erkranktem Zahnbett ist eine intensivere Pflege geboten.

Zahnbürste und Zahnpasta bilden die Grundlagen zur Reinigung der Kau- und Seitenflächen der Zähne. Zur Pflege der für die Zahnbürste nicht erreichbaren Zahnzwischenräume kommen je nach Zahnstellung und Größe zusätzliche Hilfsmittel zum Einsatz. Die Zahnseide erlaubt eine vorsichtige, aber sorgfältige Entfernung der bakteriellen Beläge. Ihr Umgang will geübt werden und so ist Ihnen Ihr Zahnarzt mit seinem Team gerne behilflich die richtige Handhabung zu erlernen.

Viele Patienten genieren sich den Zahnarzt auf eine perfekte Mundhygiene anzusprechen. Manch einer meint schon alles zu wissen und denkt vielleicht : "...was will der mir denn noch über das Putzen erzählen. Ich kann Zähne putzen."

Wenn wirklich jeder ganz genau wüßte wie er seine Zähne optimal zu pflegen hat, gäbe es nicht so viele Entzündungen und Erkrankungen der Zähne und des Zahnhalteapparates. Um den positiven Zustand nach dieser Behandlung zu sichern ist eine intensive Mundhygiene notwendig und eine individuelle Prophylaxe durch speziell dafür ausgebildetes Fachpersonal sehr empfehlenswert.

Prophylaxe wird Ihnen Spaß machen und wird Sie mit Erfolg belohnen. Ein gesundes Zahnfleisch und schöne Zähne danken es Ihnen ein Leben lang.

Wir sind Ihnen gerne bei Ihrem speziellen Problem behilflich. Zögern Sie nicht uns anzusprechen, denn wir möchten das Sie Ihre Zähne bis in das hohe Alter behalten und...wie sagte die Werbung doch gleich...

"...auch Morgen noch kraftvoll zubeißen können!"